StartBalanceEva Muellers Sunday Artletter: Können Sie staunen?

Eva Muellers Sunday Artletter: Können Sie staunen?

Vielleicht fragen Sie sich, wozu das nun gut sein soll: Staunen können! Und was ist das eigentlich genau? Schlagen wir nach bei Wikipedia: „Staunen ist eine Emotion beim Erleben von unerwarteten Wendungen oder unbekanntem Schönen und Grossen.“

Zum Wesen des Staunens gehört demnach ein „innerer Unruhezustand, der sich motivationsfördernd auswirkt, bisher Unbekanntes zu erforschen und zu lernen“.

Ich verbinde damit Offenheit. Etwas unvoreingenommen betrachten können. Für mich besonders interessant: Die Reaktionen, wenn ich Kunstwerke in Unternehmen bringe. Die jeweiligen Mitarbeiter:innen sehen mich meist über einen längeren Zeitraum durch Gänge eilen, etwas ausmessen oder fotografieren. Später dann beim Platzieren der Objekte. Einige sind interessiert, fragen nach, beobachten neugierig. Spätestens wenn die Kunst installiert ist.

Dann biete ich immer auch Führungen durchs Haus an. Und dabei wird es besonders deutlich, wer staunen kann. Bei manchen sieht man gleich, wie sie alles einordnen. In ein Muster, das ihnen bekannt vorkommt. Ohne sich auch nur einen Moment in einen verwunderten Entdecker:innen-Zustand zu begeben. Sie wissen schon bevor sie gesehen haben, was sie davon halten. Da gibt es kein auf sich wirken lassen. Neues aufnehmen. Etwas ungewöhnliches, unbekanntes, empfinden. Es könnte bereichernd sein. Den Mind erweitern – und sogar mehr Lebensfreude bringen!

Die Welt der Kunst spricht andere Gehirn- und Gefühlsebenen an. Im Unternehmensalltag kommen diese Anteile oft zu kurz. Für unser seelisches Gleichgewicht ist es so wichtig, diesen Zugang zu pflegen. Abgesehen davon, dass wir uns sonst kaum in andere Menschen einfühlen können – also die Beziehungsebene privat und beruflich stark beeinträchtigt wird.

Ich lade Sie heute zum Staunen ein: Bis zum 7. November können Sie den französischen Film (deutsche Untertitel) „Maria träumt – Oder: Die Kunst des Neuanfangs“ bei den Internationalen Hofer Filmtagen online ansehen: https://stream.hofer-filmtage.com/movies/maria-traumt-oder-die-kunst-des-neuanfangs Maria, eine Putzfrau, erlebt die Welt der Kunstakademie. Sie kann staunen. Und erlebt neben einer zauberhaften Liebesgeschichte auch einen radikalen Neuanfang.

Im Theater der Münchner Kammerspiele sind Sie in „Vision einer Rückkehr“ mit den Zuschauerinnen in Togo verbunden und erleben gemeinsam die Auferstehung und Rückkehr einer kolonial geraubten Statue (Prinzessin Yennenga aus dem 12 Jh. in Form einer wunderbar gestalteten Marionettenfigur). https://www.muenchner-kammerspiele.de/de/presse/mitteilungen/15503-les-statues-rvent-aussi-vision-einer-rckkehr

Und wer mit mir bei der Führung auf der Biennale in Venedig war, hat die einzigartige Atmosphäre erleben können, die der grossartige Francis Alys in seinen Filmen im belgischen Pavillon entfaltete. Er fing damit die Energie spielender Kinder aus aller Welt ein. Ein Junge hievt seinen Reifen auf den unglaublich hohen Berg einer Kobald-Abraumhalde im Kongo. Schlüpft oben hinein und lässt sich runterrollen. Im irakischen Flüchlingslager wird Himmel und Hölle gespielt, in Belgien Schneckenrennen, in Kathmandu Fussball mit Kräuterknödeln im Sand… usw. http://francisalys.com/category/childrens-games/

Kinder können staunen! Und sind daher so kreativ.

Viel Freude Ihnen beim Staunen und Entdecken!
Mit herzlichem Gruss Ihre Eva Mueller

Abb. im Header: Ausschnitt aus dem Film „Childrens Games #29“ von Francis Alys

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