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Wie das Handwerk weiblicher werden könnte

Frauen im Handwerk sind öfter glücklich mit ihrer Berufswahl als der Durchschnitt der Bevölkerung. Warum gibt es dann nicht mehr Interessierte in diesen Sparten? Genau das möchte Cornelia Lutz ändern, sie verantwortet das neue Live-Event „Zukunft Handwerk“.

Warum entscheiden sich aus Ihrer Sicht so wenige Frauen für einen handwerklichen Beruf?

Da gibt es sehr unterschiedliche Gründe. Zum Beispiel haftet dem Handwerk noch immer das Image harter körperlicher Arbeit an. Es hat sich aber viel geändert, vieles ist leichter geworden – der Einsatz von Technik und Maschinen macht’s möglich. Exoskelette, das sind körpergetragene Hebehilfen, sind beispielsweise für Frauen – und natürlich auch für Männer – sehr hilfreich. Übrigens: Aktuell ist zwar nur gut jede zehnte Stelle mit einer Frau besetzt, aber bei den neugeschlossenen Ausbildungsverträgen ist der Frauenanteil schon fast doppelt so groß. Das Handwerk wird also insgesamt weiblicher. Auf unserem neuen Live-Event „Zukunft Handwerk“ machen wir das auch sichtbar: Hier treten etliche Handwerkerinnen und auch Influencerinnen aus den klassischerweise männerdominierten Gewerken auf, zum Beispiel Schornsteinfegerinnen oder Dachdeckerinnen.

Warum bräuchten wir dringend mehr Handwerkerinnen, und in welchem Gebiet speziell?

Es ist wahrscheinlich wie überall anders auch: Frauen gehen die Dinge oft anders an, haben andere Lösungsansätze, setzen andere Akzente und Impulse. Wer Prozesse verbessern will, der sollte verschiedene Perspektiven in seine Überlegungen mit hereinnehmen. Ein spezielles Gewerk möchte ich gar nicht herausgreifen. Eins ist klar: Je diverser Teams sind, desto erfolgreicher, kreativer und innovativer sind Unternehmen. Gesamtgesellschaftlich findet hier zum Glück ein Bewusstseinswandel statt, den wir auch im Handwerk wahrnehmen.

Welche Initiativen gibt es bereits, hier mehr Attraktivität zu zeigen? Welche würden gebraucht?

Wir haben bereits zahlreiche Initiativen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) wie auch die regionalen Handwerkskammern, Innungen und Fachverbände informieren zum Beispiel regelmäßig über die Chancen von Frauen im Handwerk. Viele Kammern fahren auch eigene Kampagnen, um mehr Frauen fürs Handwerk zu gewinnen.  Zudem belegen inzwischen viele Studien, etwa von der Uni Göttingen, dass Frauen im Handwerk mit ihrer Berufswahl überdurchschnittlich zufrieden sind. Wenn wir die positiven Beispiele mehr in die Öffentlichkeit tragen, dann bin ich sehr optimistisch, dass der Frauenanteil weiter steigt.

Woher kommt Ihre eigene Motivation, sich der Zukunft Handwerk geschäftlich zu widmen?

Ohne Handwerk läuft nichts. Handwerker:innen stellen Windräder auf, bauen Häuser, liefern Teile für unsere Autos, sie sorgen dafür, dass zu Hause warmes Wasser ankommt, sie optimieren den Energieverbrauch der Heizung und so vieles mehr. Ich glaube aber, dass sich die meisten dessen gar nicht bewusst sind, wenn sie das Wort „Handwerk“ hören. Für mich persönlich ist es ein riesiger Ansporn und ein Herzensanliegen, ein solches Projekt mitgestalten zu können und dem Handwerk eine neue Netzwerkplattform zu schaffen, die es aktuell so nicht gibt. Und ich verstehe mich in meiner Rolle gemeinsam mit meinem Team als Ideengeberin und Möglichmacherin mitverantwortlich für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks. „Zukunft Handwerk“ hat das Potenzial, starke gesellschaftliche Impulse zu geben.

Was ist das Ziel des Events im März?

„Zukunft Handwerk“ ist ein Live-Event für Handwerkerinnen und Handwerker, für mittelständische Betriebe aller Gewerke. Dort gibt es derzeit jede Menge Herausforderungen: Fachkräftemangel, teure Energie, teure Rohstoffe, auch Lieferengpässe sind nach wie vor ein Problem. Die Unternehmerinnen und Unternehmer im Handwerk finden im Expo-Bereich viele Lösungsansätze. Außerdem gibt es ein großes Bühnenprogramm: Drei Tage voller Input und Inspiration. Und wer nicht persönlich dabei sein kann: Auch online ist die Teilnahme möglich. Ein Highlight ist die Networking Night, eine exklusive Abendveranstaltung zum Netzwerken, Austauschen, Spaß haben – am besten alles zusammen!


Über die Zukunft Handwerk:

Cornelia Lutz verantwortet als Bereichsleiterin B2C-Messen beim Münchner Messeveranstalter GHM (Gesellschaft für Handwerksmessen) das neue Live-Event „Zukunft Handwerk“. Die Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) versammelt hier Meister:innen und Macher:innen vom 8. bis 10. März 2023 im ICM in München. Das neue gewerkeübergreifende Veranstaltungsformat aus dem Handwerk und für das gesamte Handwerk findet künftig jährlich statt und richtet sich sowohl live als auch online an Gesellen, Handwerksunternehmerinnen, Start-ups und Politik.

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